14. Kapitel

in dem nicht lange gefackelt wird, in dem aber auch Boscardins Cousin Mario Malavenda von sehr dubiosen Geschäftsmodellen und noch dubioseren Dienstleistern erzählt.

Ui, da hat die Polizei gleich die Kavallerie geschickt. Zehn Mann hatten morgens um halb sechs eine Vierer-WG gestürmt.

Immerhin waren fünf Nasen da, da hatte es sich schon fast gelohnt, zehn ruppige Rabauken in Uniform zu schicken. Und man findet ja immer was, wenn man richtig sucht.

Leute aus dem Schlaf reissen, anbrüllen, Hände auf den Rücken, hinknien, keine Zeit zum Anziehen, sicher nicht, Augen verbinden, Gesicht zur Wand. Dann alle Schränke durchwühlen, Schubladen aufreissen, Computer, Laptops, Tablets, Smartphones einpacken, Notizbücher, Flyer von Tierschutzorganisationen. Und dann noch Fingerabdrücke und DNA-Probe von allen.

Was so ein kleiner Drohbrief auslösen konnte. Interessant, wieviel Energie so ein paar Zeilen freisetzte. Aber: Energie für nix. Natürlich war Kira Wilhelmina Reinmuth nicht so dumm, in einer dieser WGs zu wohnen, die auf dem Radar der Polizei waren. Weit weg war sie nicht, aber weit genug, um unerkannt und unbehelligt zu bleiben, die Empörung, die Wut aufzusaugen, die der Grobiani mit seiner sinnlosen Aktion ausgelöst hatte.

Das würde sie ein paar Tage geniessen, und dann wäre es Zeit sein für einen dritten Brief.

Boscardins Telefon dudelte etwas Agentenmässiges von Lalo Schifrin.

Ja?

Ciao Bastiano, Mario hier.

Malavenda, ciao. Schöne Überraschung. Wie geht’s dir denn?

Ganz gut soweit. Ich bin mitten in einer grösseren Recherche und komm nächstens mal nach Bern.

Verstehe. Windige Winkelzüge aufdecken, das Spiel von dunklen Mächten ans Licht bringen.

So ungefähr, ja. Ich könnt am Dienstag nach Bern kommen. Ich treffe am Nachmittag meinen Informanten und dann schauen wir uns das Spiel an.

Klingt gut. Und danach trinken wir noch eine Flasche oder zwei. Das wird dir helfen, die Niederlage deiner Espen zu verdauen.

Na, solange ich keine dieser YB-Würste verdauen muss. Aber mal abgesehen davon, wie deine Young Boys wieder mal souverän um Platz zwei in der Tabelle herumstolpern, da brauchst du auch gehörigen Trost, selbst wenn sie gewinnen. Aber schauma mal. Tickets hab ich schon besorgt.

Perfetto. Übrigens, ich hab deinen Artikel über die Privatschulen gelesen. Hübsch. Aber irgendwie hatte ich bis zum Schluss das Gefühl, da kommt noch was, da kommt noch was. Kam aber nichts mehr.

Dein Gefühl hat dich nicht getäuscht. Da ist noch eine Menge, deshalb komm ich auch nach Bern. Eine dieser Privatschulen wird von einer Firma geführt, die auch private Spielplätze betreibt.

Private Spielplätze? Wo gibt’s denn das?

Private Spielplätze sind ein sehr einträgliches Geschäft, vor allem in England. Wenn man dem Staat und den Gemeinden möglichst viele Mittel entzieht, verlottern Gemeindezentren, Bibliotheken, Schulen und Spielplätze. Da geben die Gemeinden die Spielplätze an private Betreiber ab. Die bauen einen Abenteuerspielplatz mit allen Schikanen und verlangen 10 bis 25 Pfund Eintritt pro Kind. So geht’s, wenn Leute gewählt werden, für die es unanständig und geradezu empörend ist, wenn der Staat eine Aufgabe übernimmt, mit der private Firmen Gewinne machen könnten. Staatsmonopole sind ihnen zutiefst zuwider, viel lieber sind ihnen die Monopole der Privatwirtschaft. Das sind die guten.

Und um über diese privaten Spielplätze zu recherchieren kommst du nach Bern?

Nein, nicht wegen der Spielplätze. Wenn meine Informationen stimmen, betreibt diese Firma mit ihren Unterfirmen und deren Unterfirmen nicht nur Schulen und Spielplätze und bietet dazu umfassenden Facility-Service, also Hausverwaltung und Hauswartsdienste, sondern führt auch Security-Facilities.

Was um Himmels willen sollen denn Security-Facilities sein.

Schutzanlagen, möglichst geheime, inklusive Vorräte und Verteidigungsanlagen, -personal und -geräte. Aber davon erzähl ich dir besser nicht am Telefon.

Verstehe, die haben sicher auch einen Mithorchservice im Angebot.

Würd mich nicht wundern. Gute Information ist nicht nur teuer, sie ist auch die Basis jeder halbwegs tauglichen Schutzmassnahme.

Und wenn ein Journi gute Informationen einfach so öffentlich macht, stört das nicht nur das Geschäft, er ist auch ein Sicherheitsrisiko.

Ist anzunehmen, meinte Malavenda fast etwas leichtfertig. Also, treffen wir uns wie immer?

Wie immer, klar. Ci vediamo. Bis bald. Und pass auf dich auf.

A presto.

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