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9. Kapitel

in dem jemandem dämmert, dass der Ermordete ziemlich sicher tot ist.

Ramon Bieli stand in Etters kleiner Einzimmerwohnung. Das Badezimmerchen war so eng, dass man das Waschbecken an einem Scharnier zur Seite schwenken musste, wenn man sich aufs Klo setzen wollte. So eine merkwürdige Konstruktion hatte Bieli noch nie gesehen.

Und er hatte auch noch nie eine solche Sammlung von Kochbüchern gesehen. Maikäfersuppe war noch eines der am wenigsten grausligen Gerichte, die er darin fand. Etwa 30 der Tierlein brauche man pro Person. Die Käfer ohne Flügel und Beine in Butter anbraten und dann gehörig lange in einer Rindsbouillon köcheln lassen. Absieben und mit etwas Mehl binden, fertig.

Gabs noch genügend Maikäfer, dass man daraus Suppe machen könnte? Keine Ahnung.

Aber das ist interessant, meldete Bieli durchs Telefon. Etter scheint vor kurzem unfreundliche Post bekommen zu haben.

Unfreundliche Post?

Eine Art Drohbrief, hör mal:

Insekten sind auch Tiere Wer Tiere isst, ist ein Mörder Pass auf Wir beobachten dich

Sonst nichts. Könnte aber eine Spur sein, oder was meinst du?

Militante Tierschützer? Ich glaub, die interessieren sich nur mässig für Insekten.

Weiss man nie, antwortete Bieli. Wer kein Fleisch isst, ist zu allem fähig, schob er nach und freute sich schon auf die YB-Wurst am Dienstag, wenn seine Young Boys gegen den FC St.Gallen spielen würden. Für Bieli war Fleischverzehr direkt mit Fussball verbunden, also nicht verhandelbar.

Aber was ist denn eigentlich mit dem Etter, fragte Fassbind, dem diese Frage nicht früher eingefallen war.

Ermordet, nehmen wir an.

Ermordet? Aber dann ist er doch tot?

Schon, ja.

Viel mehr konnte Krissy Kraut nicht mehr dazu sagen. Denn einerseits war das eine eins a Schlussfolgerung, gegen die wohl niemand hier im Gebäude der exakten Wissenschaften etwas hätte einwenden können. Und andererseits ging die Türe zu Fassbinds Büro auf, oder man könnte auch sagen: Sie flog auf.

Pardon, dass ich einfach so hier hereinplatze, entschuldigte sich Professorin Wild. Wir haben die Daten der Webcam durchgeschaut, die wir in unserem Reinraum installiert haben.

Filmaufnahmen des Mordes, das wäre natürlich zu schön. Aber nichts, gar nichts.

Nicht dass jemand die Aufnahmen gelöscht hätte. Es sieht vielmehr so aus, als hätte es von jenem Abend gar nie Aufnahmen gegeben. Wir konnten bisher aber keine Manipulation am System feststellen. Es gibt keine Fehlermeldung, und das System wurde auch nicht von Hand ausgeschaltet. Es ist einfach so, als hätte es diesen Abend gar nie gegeben. Das ist ziemlich rätselhaft.

Nicht minder rätselhaft sind die Zugangsdaten zum Reinraum, meldete sich nun Perutz, der hinter Paula Wild in Fassbinds Büro getreten war. Es ist zwar jemand in den Reinraum rein und wieder raus. Wir wissen aber nicht, wer. Der Badge, der verwendet wurde, ist nirgends registriert. Es muss eine Art Passepartout sein. Und das gibt es eigentlich gar nicht.

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